Es gibt wohl kaum jemanden, der sie nicht kennt – die Varta-Batterie aus Ellwangen in Baden-Württemberg. Eine lange Tradition hatte sie: Wie die Deutsche Presse Agentur mitteilt, soll sogar der Forscher Fridtjof Jansen Varta-Batterien bei einer Polarexpedition dabei gehabt haben. 1887 wurde die Firma in Hagen, damals noch als Accumulatoren-Fabrik, gegründet, der Name setzt sich übrigens aus den Anfangsbuchstaben „Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren“ zusammen. Jetzt hat das Unternehmen das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Stuttgart beantragen müssen. Varta steckte schon länger in der Krise, nun fiel mit Apple ein sogenannter „Ankerkunde“ weg, der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die entscheidenden Geldgeber, unter anderem die Deutsche Bank und die Finanzinvestoren RBC BlueBay, Blantyre und Whitebox sehen keine tragfähige Gesamtlösung: neben der Varta AG als Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in Ellwangen auch die operativen Einheiten Varta Microbattery GmbH, Varta Micro Production GmbH und Varta Storage GmbH von der Antragstellung betroffen, meldet die dpa. Die Geldgeber wollen das Geschäft mit Haushaltsbatterien herauslösen und eine neue Eigentümerstruktur schaffen und Varta selbst will mit dem Insolvenzverfahren sein Überleben sichern. Die Antragstellung erfolge nicht aufgrund einer akuten Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb und das Geschäft mit Haushaltsbatterien sei nicht von dem beantragten Insolvenzverfahren betroffen.
Schon in den 90er-Jahren des vorigen Jahrhunderts war das Unternehmen in eine veritable Schieflage geraten, wurde filetiert und die Stücke einzeln verkauft. Mit dem Österreicher Michael Tojner kam 2007 noch einmal frischer Schwung in das Geschäft, mit der Sparte für Mikrobatterien gelang der Sprung an die Börse. 12 Jahre später kaufte das Unternehmen den Geschäftsbereich Haushaltsbatterien zurück. Laut dpa steigerte Varta innerhalb weniger Jahre den Erlös um rund das Vierfache. Millioneninvestitionen folgten, auf Schuldenbasis. Parallel machte sich das Unternehmen aber auch zu sehr abhängig von Apple. Kaum suchte sich der Tech-Gigant zusätzliche Zulieferer, stieg so der wirtschaftliche Druck. Außerdem nahm die Nachfrage nach kleinen Batterien in der Unterhaltungsindustrie ab. Die für Hybrid-Fahrzeuge knozipierte E-Auto-Batterie aus dem Hause Varta performte auch nicht wie erhofft. Michael Tojner, der mittlerweile Aufsichtsratschef bei Varta ist, äußerte sich kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit einer großen Portion Selbstkritik: „Wir haben die Latte zu hoch gelegt. Wir haben verschiedene Projekte gestartet, groß investiert, die Produktion ausgebaut.“ Es sei zu viel Geld zu leichtfertig investiert worden.
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